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KI und Bauhaus

Prof. Dr. Martin Gessmann (HfG Offenbach)

Originalsprache: Deutsch. Die englische Fassung wurde mithilfe von KI übersetzt.

KI und Bauhaus

Prof. Dr. Martin Gessmann
HfG Offenbach
17. Juni 2026 · 11:30 Uhr

Symposium „Entwerfen. KI und andere kulturelle Protagonisten.“ · AMD Düsseldorf.

Abstract und These

KI und Bauhaus
Wie Künstliche Intelligenz das Grundproblem modernen Entwerfens neu stellt

Der Beitrag versteht KI nicht als bloßes neues Entwurfswerkzeug, sondern als Aktualisierung eines Programms modernen Entwerfens, das im Bauhaus bereits angelegt war: Raum aus Parametern wie Zahl, Bewegung, Maß, Material und Wahrnehmung zu denken. Gropius’ Bauhaus verschob Gestaltung vom fertigen Objekt hin zum offenen Entwurfsprozess, in dem gedankliche Konzeption und materielle Umsetzbarkeit systematisch miteinander verschränkt werden. Genau daran schließen Parametrik, KI-Generierung und 3D-Druck an: Sie machen Material, Technik und Ausführung erneut zu verhandelbaren Momenten der Formfindung. Der Entwurf rückt damit wieder ins Zentrum — nicht als handwerkliche Meisterleistung allein, sondern als konzeptionelle, technische und materielle Durchdringung eines Möglichkeitsraums. KI wird damit zum Stresstest modernen Entwerfens: An ihr entscheidet sich, ob die Befreiung der Gestaltung durch Technik zu neuer Urteilskraft und wirklicher kreativer Freiheit führt — wie es das Bauhaus im Kern wollte — oder ob sie in die Abgabe gestalterischer Verantwortung an anonyme Rechenprozesse umschlägt.

These

KI ist nicht das Ende des Entwerfens, sondern die Wiederkehr seiner modernen Grundfrage: Wie lässt sich Gestaltung durch Technik befreien, ohne Verantwortung, Urteilskraft und Qualität an Technik abzugeben?

Aus dem von Prof. Dr. Martin Gessmann zur Vorbereitung des Symposiums verfassten Text.

Aus der Diskussion: Wozu Architekturtheorie?

„Kannst du das noch einmal erläutern“ – mit dieser Bitte fragt Jan R. Krause aus dem Publikum nach dem erneuerten Stellenwert der Architekturtheorie angesichts von KI. Er verbindet die Frage mit Überlegungen seines Kollegiums zur Weiterentwicklung der Lehre. Herr Gessmann antwortet, Theorie werde dort nötig, wo die bisherigen Begriffe keine hinreichende Orientierung mehr geben.

Ihre Leistung besteht in dieser Antwort darin, eine Perspektive und einen begrifflichen Rahmen zu entwickeln, mit denen sich die veränderte Situation beschreiben und bearbeiten lässt. Theorie verspricht damit keine unmittelbare Beruhigung. Sie eröffnet zunächst eine Möglichkeit, die veränderte Situation zu gestalten. Die Frage nach KI wird so zu einer Frage nach den Voraussetzungen, unter denen Entwerfen überhaupt verständlich bleibt.

Daran schließt Herr Gessmann eine wichtige Präzisierung an: Ein neuer Entwurfsbegriff liegt für ihn noch nicht fertig vor. Er soll im Austausch mit denjenigen entstehen, die praktisch an den Veränderungen beteiligt sind. Theorie und Entwurfspraxis erhalten hier eine gemeinsame Aufgabe: den gegenwärtigen Prozess begrifflich zu erfassen und überlieferte Vorstellungen von individueller Schöpfung zu überprüfen. Die Antwort entwickelt einen Arbeitsauftrag für die Disziplin; eine abschließende Definition des Entwerfens liefert sie ausdrücklich noch nicht.

Ausgewählte Fragen und Antworten aus der Diskussion I – Theorie und Grundlagen um 12:00 Uhr.

Zum Referenten

Prof. Dr. Martin Gessmann
Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

Hochschulprofil – hfg-offenbach.de

Kontakt über FELIX SCHWAKE