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Theorie und Grundlagen

Diskussion I (AMD Düsseldorf)

Originalsprache: Deutsch. Die englische Fassung wurde mithilfe von KI übersetzt.

Theorie und Grundlagen

Diskussion I
Symposium
17. Juni 2026 · 12:00 Uhr

Symposium „Entwerfen. KI und andere kulturelle Protagonisten.“ · AMD Düsseldorf.

Theorie, Urteilskraft und die Macht der Technik

Die Diskussion I um 12:00 Uhr führte die theoretischen Beiträge des Vormittags zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Entwerfen durch KI verändert und welches Wissen nötig bleibt, um diese Veränderung verantwortlich mitzugestalten. Dabei trafen unterschiedliche Vorstellungen von technischer Entwicklung, professioneller Kompetenz und dem Auftrag der Hochschulen aufeinander.

Warum Architekturtheorie gerade jetzt gebraucht wird

Prof. Jan R. Krause fragte Prof. Dr. Martin Gessmann, weshalb KI der Architekturtheorie einen neuen Anlass gebe. Herr Gessmann beschrieb Theorie in Anlehnung an Wittgenstein als Orientierung in einer Situation, für die die vertrauten Begriffe nicht mehr ausreichen: „Theorie kommt immer dann ins Spiel, wenn man sagt, ich kenne mich nicht aus“. Einen fertigen neuen Entwurfsbegriff legte er damit ausdrücklich nicht vor. Dieser müsse im Austausch mit denjenigen entstehen, die praktisch entwerfen. Dem stand der Einwand gegenüber, man müsse nicht zwangsläufig einen neuen Begriff suchen, sondern zunächst verstehen, wie eine weitere Technologie in bestehende Entwurfspraktiken integriert wird. Strittig blieb somit, wie weit die begriffliche Neuorientierung reichen muss.

Mehr Geschwindigkeit schafft noch keinen Freiraum

Eine Wortmeldung verband die Frage nach dem Lernen mit einer ernüchternden Erfahrung: Auch CAD, BIM und andere technische Neuerungen hätten die Arbeit beschleunigt, ohne automatisch mehr Zeit für Konzeption und Gemeinwohl zu schaffen. Daraus ergab sich eine zentrale Unterscheidung. Eine schnelle Antwort ist noch kein begründetes Urteil; um einen Vorschlag anzunehmen oder zurückzuweisen, braucht der Entwerfer eigenes Wissen und eine Haltung. Ebenso wichtig seien die Einrichtungen und Verfahren, in denen Wissen geprüft und vermittelt wird. Die Diskussion verlagerte sich damit von der Verfügbarkeit von Informationen auf die Bedingungen verlässlicher Orientierung.

Zuversicht als Aufgabe, Kritik als Voraussetzung

Prof. Dr. Vera Bühlmann plädierte für einen aktiven Umgang mit dem Umbruch: „Für mich ist es fast schon Pflicht, Optimist zu sein.“ Ihr Vergleich mit der Einführung der Null zielte auf die mögliche kulturelle und gesellschaftliche Tragweite mathematischer Erfindungen. Hochschulen sollten auch Zeit für offene Denkräume und optimistische Szenarien bereitstellen. Andere Beiträge betonten die Verlagerung von Handlungsmacht auf große Plattformen und die Aneignung von Wissen durch deren Betreiber. Zuversicht und Kritik standen dabei in einem anspruchsvollen Verhältnis: Erkundung braucht Offenheit, während die wirtschaftlichen und institutionellen Bedingungen dieser Erkundung selbst zum Gegenstand der Kritik werden müssen.

Wenn ein Werkzeug zum handelnden Vermittler wird

Am Beispiel agentischer KI wurde diskutiert, ob die Bezeichnung Werkzeug künftig noch ausreicht. Gemeint waren Systeme, die Informationen selbst zusammentragen und Handlungsschritte übernehmen. Als Möglichkeit stand im Raum, dass sie vertraute Benutzeroberflächen umgehen und sich als zusätzliche Vermittlungsebene zwischen Menschen und digitale Angebote schieben. Daran knüpften Fragen nach Abhängigkeit, Einsehbarkeit und Gestaltung an. Die weitergehende Vorstellung eines eigenständigen Charakters solcher Systeme blieb umstritten; eine Gegenrede hielt fest, dass die beschriebenen Folgen auch ohne einen solchen Charakter eintreten könnten.

Technik verstehen, statt ihr Autorität zuzuschreiben

Ein Entwurfsbeispiel aus Wien gab der Debatte eine weitere kulturelle Dimension. Der Vorschlag für ein automatisiertes Kunstdepot wurde in Analogie zu einem sakralen Raum betrachtet; die Maschine erschien dabei als Vermittler zwischen unterschiedlichen Erfahrungswelten. Daran entzündete sich die Frage, welche Autorität Menschen der Technik zuschreiben. Die Forderung nach einem abstrakten, mathematischen Verständnis ihrer Funktionsweise richtete sich gegen eine Überhöhung des technisch Möglichen. Entwerfen wurde so zugleich als Arbeit an Formen und als Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Bedeutungen technischer Systeme sichtbar.

Ausgewählte Gedanken aus der Diskussion I – Theorie und Grundlagen am 17. Juni 2026 um 12:00 Uhr.

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Fotos: Katharina Petsch