Kunst & Architektur
Sommersemester-Aufgabe 2019 "Wohnen für Singles & Familien"
Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Entwerfen 2“ am Fachbereich Architektur der FH Dortmund beschäftigten sich Studenten mit der Frage, wie Architektur besondere menschliche Momente räumlich ermöglichen kann.
Ausgangspunkt der Aufgabenstellung war die Auseinandersetzung mit Atmosphäre als zentralem architektonischem Thema. Inspiriert durch Beschreibungen räumlicher Wahrnehmung bei Peter Zumthor wurde Architektur nicht allein als funktionale Organisation von Raum verstanden, sondern als bewusste Gestaltung von Situationen, Licht, Materialität und sozialem Leben.
Im Zentrum stand die Frage: Wie entsteht ein besonderer Moment? Und wie kann Architektur Bedingungen schaffen, die solche Momente ermöglichen?
Die Semesteraufgabe entwickelte dafür einen bewusst interdisziplinären Entwurfsprozess. Die Studenten sollten zunächst einen persönlichen besonderen Moment sprachlich formulieren – in Form von Prosa, Vers oder poetischer Beschreibung. Anschließend wurde dieser Moment mit Mitteln der bildenden Kunst materialisiert. Erst aus der Verbindung von Sprache, Kunst und Atmosphäre entstand der architektonische Entwurf für Wohnraum in Lüdenscheid.
Die Aufgabe folgte damit einer Haltung, die Architektur nicht als reine Formproduktion versteht. Räume entstehen aus Wahrnehmung, Erinnerung, Atmosphäre und gesellschaftlicher Verantwortung. Architektur wird zum räumlichen Sender, der bestimmte Erfahrungen und Formen des Zusammenlebens ermöglichen kann.
Aus der Lehrveranstaltung entwickelte sich 2019 ein Wettbewerb zum Thema „Single- und Familienwohnen in Lüdenscheid“, unterstützt durch die LüWo AG. Die Jury setzte sich aus Vertretern der Wohnungswirtschaft, Architektur, Kunst und Hochschule zusammen. Prämiert wurden Arbeiten, die Wohnen nicht allein funktional interpretierten, sondern als räumliche Inszenierung sozialer und atmosphärischer Situationen verstanden.
Die ausgezeichneten Projekte zeigten unterschiedliche Ansätze: gemeinschaftliche Küchen als soziale Mitte des Wohnens, räumliche Konzepte zwischen Privatheit und Gemeinschaft oder nachhaltige Material- und Nutzungssysteme. Entscheidend war dabei weniger die formale Gestalt als die Fähigkeit, Atmosphäre und menschliche Erfahrung räumlich zu übersetzen.
Begleitet wurde die Lehrveranstaltung gemeinsam mit dem Künstler und Designer Achim Lohse. Exkursionen und Analysen bildender Kunst dienten dazu, die Studenten für nichtsprachliche Formen räumlicher Kommunikation zu sensibilisieren. Künstler wie Claude Monet, Richard Serra oder Günther Uecker wurden ebenso untersucht wie Designer und Architekten verschiedener Epochen.
Die Lehrveranstaltung machte deutlich, dass Architektur nicht allein aus Funktion oder Bildsprache entsteht. Räume wirken über Atmosphäre, Material, Licht, Bewegung und Erinnerung. Gestaltung trägt deshalb Verantwortung – gerade dort, wo Menschen leben und ihren Alltag verbringen.
Fotos: Gabriele Marl www.gammafoto.de