Entwerfen. KI und andere kulturelle Protagonisten.

Symposium an der AMD Düsseldorf – 17.06.2026

Künstliche Intelligenz verändert gegenwärtig Werkzeuge, Prozesse und Bilder des Entwerfens mit hoher Geschwindigkeit. Kaum ein Bereich von Architektur, Design und Gestaltung bleibt davon unberührt. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, welche Rolle dem Menschen im Entwurfsprozess zukünftig zukommt.

Das Symposium „Entwerfen. KI und andere kulturelle Protagonisten.“ versteht diese Entwicklung nicht allein als technologische, sondern als kulturelle und gestalterische Herausforderung. Im Zentrum stehen Fragen nach Urteilskraft, Verantwortung, Erfahrung, Autorenschaft und Atmosphäre — ebenso wie nach den Entscheidungsprozessen, durch die Räume, Orte und räumliche Situationen entstehen. KI kann Informationen verarbeiten, Varianten erzeugen und Prozesse beschleunigen. Sie übernimmt jedoch weder Verantwortung noch die Fähigkeit, räumliche, gesellschaftliche und kulturelle Konsequenzen zu beurteilen. Gerade deshalb wird die Frage nach dem Entwerfen heute neu relevant.
Architektur ist Verantwortung – weil sie bleibt.

Das Symposium knüpft an eine Haltung an, die Architektur nicht als Bildproduktion versteht, sondern als verantwortungsvollen Prozess räumlicher Entscheidung. Entwerfen bedeutet, Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen, Konsequenzen zu erkennen und räumliche Situationen hervorzubringen, die den Menschen langfristig prägen. Räume entstehen nicht neutral. Sie beeinflussen Wahrnehmung, Verhalten, Erinnerung und Atmosphäre. Orte tragen kulturelle, soziale und emotionale Bedeutungen in sich. Entwerfen bedeutet daher immer auch, Verantwortung gegenüber zukünftigen Formen des Zusammenlebens zu übernehmen. Qualität entsteht dabei nicht allein durch Geschwindigkeit oder technische Möglichkeiten, sondern durch Urteilskraft. Die Veranstaltung versteht sich ausdrücklich nicht als Technikmesse oder KI-Werbeformat. Ziel ist ein fachlicher Diskurs über die Bedingungen des Entwerfens im Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine, Erfahrung und Generierung, Verantwortung und Delegation sowie analoger Wahrnehmung und digitaler Beschleunigung. Zugleich stellt sich die Frage, wie räumliche Erfahrung unter Bedingungen algorithmischer Bild- und Formproduktion vermittelt, verstanden und bewertet werden kann. Denn zwischen einem generierten Bild und einem gebauten Ort besteht ein grundlegender Unterschied: Architektur wird leiblich erfahren. Sie ist nicht nur sichtbar, sondern begehbar, hörbar, spürbar und atmosphärisch wirksam.

Das Symposium bringt Positionen aus Architekturtheorie, Designforschung, Entwurfslehre, Architekturpraxis, Produktgestaltung sowie dem Medien- und Technologiediskurs zusammen.
Mitwirkende sind unter anderem:

  • Prof. Dr. Susanne Hauser (UdK Berlin)
  • Prof. Dr. Vera Bühlmann (TU Wien)
  • Prof. Dr. Martin Gessmann (HfG Offenbach)
  • Bertram List (NDU St. Pölten, AMD Düsseldorf)
  • Sara Mohammed, Soumaya Hmissi, Tim Drekstraeter (Studenten AMD Düsseldorf)
  • Dr. Kim Lauenroth (FH Dortmund)
  • Prof. Jan R. Krause (HS Bochum)
  • Prof. Dr. Urs Hirschberg (TU Graz)
  • Moritz Waldemeyer (Studio Waldemeyer)
  • Prof. Sven Bersch / Björn Bersch (AMD Hamburg)
  • Prof. Oliver Schneller (RSH Düsseldorf)


Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen begleitet die Veranstaltung mit einem Grußwort ihrer Präsidentin Katja Domschky.

Neben Vorträgen und Diskussionen wird eine Werkschau studentischer Arbeiten präsentiert. Im Mittelpunkt stehen unterschiedliche Formen des Entwerfens: analoge Zeichnung, Modellbau, digitale Prozesse, KI-generierte Inhalte sowie experimentelle Entwurfsverfahren.
Die Ausstellung versteht sich nicht als Gegenüberstellung von „analog“ und „KI“, sondern als Untersuchung unterschiedlicher Formen von Autorenschaft, Prozess, Wahrnehmung, Entscheidung und Gestaltung. Dabei wird sichtbar, dass Entwerfen weit mehr ist als die Produktion von Bildern. Räume besitzen Maßstab, Materialität, Atmosphäre und Dauer. Sie entstehen aus Entscheidungen, die Konsequenzen haben — technisch, kulturell und gesellschaftlich.

Ein Bild kann in Sekunden entstehen. Urteilskraft nicht.

Die Veranstaltung steht im Kontext einer Lehre, die Gestaltung nicht allein als Wissensvermittlung versteht. Atmosphäre ist nicht messbar, sondern nur erlebbar. Urteilskraft entsteht nicht durch reine Informationsaufnahme, sondern durch Erfahrung: durch Zeichnung, Material, Raum, Beobachtung, Kritik und Reflexion. Gestaltung beginnt deshalb nicht am Bildschirm, sondern in der bewussten Wahrnehmung von Ort, Körper, Proportion, Licht und Material. Der Raum wird dabei nicht als abstrakte Geometrie verstanden, sondern als kulturell und atmosphärisch wirksame Situation. Orte besitzen Identität, Erinnerung und Kontext. Entwerfen bedeutet daher auch, vorhandene räumliche Bedingungen zu lesen, zu interpretieren und verantwortungsvoll weiterzuführen. Deshalb beginnt Gestaltung im Studium analog: mit Kohle, Graphit, Tusche, Modell und räumlicher Wahrnehmung — bevor digitale Werkzeuge und KI eingesetzt werden.
Wer zeichnet, sieht.
Wer sieht, versteht.
Wer versteht, entscheidet.

Das Symposium versteht sich als offenes Diskursformat zwischen Hochschule, Praxis, Forschung, Kultur, Medien und Öffentlichkeit. Ziel ist nicht die schnelle Antwort auf technologische Entwicklungen, sondern die gemeinsame Reflexion darüber, wie sich Entwerfen unter Bedingungen digitaler Werkzeuge verändert — und welche Grundlagen dabei erhalten bleiben müssen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Architektur auch zukünftig Orte hervorbringen kann, die Orientierung, Identität, Atmosphäre und gesellschaftliche Bedeutung erzeugen. Denn technologische Werkzeuge verändern Prozesse — die Verantwortung für den gebauten Raum verbleibt jedoch beim Menschen.

Symposium – Entwerfen. KI und andere kulturelle Protagonisten.

Mittwoch, 17.06.2026, 10:00–20:00 Uhr
AMD Düsseldorf
Franklinstraße 41
40479 Düsseldorf

Anmeldung – https://felixschwake.de/anmeldung-entwerfen-ki

Konzeption und Organisation in Zusammenarbeit mit Studenten, Referenten und beteiligten Hochschulpartnern.
Prof. Dipl.-Ing. Felix Schwake
Professor für Entwurfsmethodik
Studiendekan Interior Design (B.A.)
Studiendekan Product Design (B.A.)
AMD Düsseldorf
University of Applied Sciences

 

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